BDSM FAQ - Kapitel 10 - Zart & Hart

Deutsche Übersetzung der s.s.b-b FAQ

10. Wieso macht Peitschen Spaß?

Peitschen kann eine Art sein, jemanden zu berühren. Leute, die gerade erst mit SM angefangen haben, spielen meist damit, dass sie mit der Hand direkt (meist auf das Hinterteil des Partners) schlagen. Das macht großen Spaß! Es ist eine Bestrafung, es ist eine starke Stimulanz und es schmerzt beträchtlich. Aber wenn du irgendwann jemanden auf diese Art über längere Zeit bestraft hast, wirst du wissen, dass deine „Schlaghand“ sehr rasch zu schmerzen anfängt.

a.s.b. FAQGenau dafür gibt es Peitschen. Sie erlauben dir, jemanden über einen längeren Zeitraum zu schlagen, ohne davon müde zu werden. Es gibt verschiedenste Arten von Peitschen (neunschwänzige Katze, Paddel, Gerten, Rohrstöcke und so weiter), die alle sehr unterschiedliche Gefühle verursachen. Ein Top, der gerne peitscht, wird sicher ein ansehnliches Arsenal an verschiedenen Schlaginstrumenten haben, aber es sind letztlich alles Erweiterungen der Berührung des Tops. Wenn du schlägst, solltest du immer daran denken, dass du jemanden berührst – mit einem Instrument, das nur eine Erweiterung deines Armes und deiner Vorstellungen ist.

Es gibt tiefere Gründe, warum es verschiedene Schlagwerkzeuge gibt. Eine Peitschensession startet meist sehr zart, wobei der Top eine kleine Peitsche verwendet, die den Bottom „aufwärmt“ und in den Rhythmus bringt. Je tiefer der Bottom in die Session fällt, desto größere und schwerere Peitschen können verwendet werden, um stärkere Gefühle zu übertragen. Natürlich wird der Top auch hier seinen Top durch eine taktische Reise führen, von einer zarten Gerte zu einem beißenden Rohrstock und wieder zurück zu einer sanften Streichelpeitsche. (Ja, es kann sich toll anfühlen, wenn dein Top plötzlich aufhört, dich zu peitschen und plötzlich ein satiniertes Tuch auf deinen Rücken schlägt! Oder einen Eiswürfel... es sind alles körperliche Empfindungen.)

Sehr oft beschreiben Leute aus der Szene Peitschen als „dumpf“ oder „stechend“. Dumpfe Peitschen laden mit einem festen Schlag. Sie stoßen dich und fühlen sich an wie eine Mischung aus Umarmung und Faustschlag. Stechende Peitschen landen mit einem Biss. Das Gefühl ist eine Mischung aus einem Schlag und einem Riss. Beide Formen der Empfindung kann man auf verschiedenste Arten genießen und ein erfahrener Top wird zwischen dumpf und stechend (und noch mehr) ständig wechseln, um seinen Bottom mit Gefühlsschwellen zur Ekstase zu bringen.

Die meisten Menschen bevorzugen einen langsamen Aufbau, wenn sie gepeitscht werden. Das kann in einem explosiven Höhepunkt der Schläge enden, der beide, Top und Bottom, erschöpft und glücklich macht. Oder es kann langsam weniger werden und „gemütlich“ enden. Natürlich kann es sich auch plötzlich gar nicht mehr gut anfühlen und in einem Safewort enden. Und letztlich kann es auch in einer galoppierenden Sexszene gipfeln. Aber allgemein ist der Weg „Beginn langsam, bau auf, beende intensiv“ typisch für viele SM-Sessions. Von sanft zu fest zu WOW, wieder zurück zu sanft, ein bisschen fester, dann WOW! und wieder sanft. Es ist wie die Brandung des Ozeans, wie man sagt. Es benötigt ein wenig Erfahrung, wie man das richtig einsetzt, um den Bottom verrückt zu machen. Aber je mehr man lernt, desto erfahrener wird man und diese Erfahrung – den Partner quälen, bis er sich besser und besser und BESSER fühlt – kann auch in Nicht-SM-Situationen nützlich sein.

Peitschen sind nicht die einzigen Schlaginstrumente. Manche Leute verwenden Paddel, aus Leder oder Holz, manchmal mit Löchern darin, die den Luftwiderstand gering halten und damit fester zuschlagen. Paddel verursachen ein festes „Klatsch!“, das sich wie ein sehr kraftvolles Versohlen mit der Hand anfühlt. Manche bevorzugen Rohrstöcke, die dick oder dünn sein können, starr oder relativ flexibel. Rohrstöcke können mit die stärksten Schläge erzielen, das Zischen eines bewegten Rohrstocks ist unmissverständlich. Nicht jeder hält den eng begrenzten, scharfen Schmerz aus, den Rohrstöcke produzieren. Aber die, die es können, mögen es ungeheuer. Natürlich können auch Holzkochlöffel und sonstige Küchengeräte gute Dienste als Flagellationsinstrumente leisten.

Peitschen oder Schlagen wird manchmal als „Bestrafung“ in einer Session verwendet, in welcher der Bottom aus irgendeinem Grund ungehorsam oder unartig war und daher eine Züchtigung verdient hat. Das kann Spaß in Form eines Rollenspiels machen, funktioniert aber meist nicht in einer länger andauernden D/s-Beziehung. Wenn dein Bottom lernt, dass der beste Weg zu Genuss ist, wenn er ungehorsam ist, wirst du bald einen schlechten Bottom haben. Deshalb ist es meist das Beste, „gespielte“ Bestrafungen, die Spaß machen, von echten Bestrafungen zu trennen. Hier müssen Realität und Phantasie peinlich getrennt werden und hier unterscheidet sich die echte Welt von der BDSM-Fiktion.

Sei vorsichtig, wenn du jemanden peitschst. Festes Peitschen wird meist am Rücken oder Hinterteil gemacht, einfach weil das die Körperteile sind, die es am besten aushalten. Sei vorsichtig bei der Wirbelsäule und dem Nacken, weil die Haut an den Stellen platzen kann, wo die Wirbel an die Oberfläche kommen. Schlag nicht in die Nähe der Nieren, da das bei zu harten Schlägen einen Nierenriss verursachen kann.

Sei dir immer bewusst, dass wenn du jemanden fest schlägst (und das kann leichter sein, als du glaubst), du ihm Quetschungen und blaue Flecken verursachen kannst. Wenn du weitermachst, kann die Haut platzen, was in jedem Fall unsicherer Sex ist. Leder oder Schnurpeitschen sind nicht leicht zu reinigen! Aus diesem Grund haben manche erklärten Masochisten ihr eigenes Spielzeug, das nur mit ihrem Blut in Kontakt kommen kann. Peitschenszenen sind ausgesprochen anstrengend, aber wie mit allem bei SM beginnt man zart und geht so weit, so weit man möchte. Blaue Flecken heilen (auch große). Das Gleiche gilt für kleine Schnitte oder Schürfwunden. Du solltest aber wissen, wie man ungewollten Schaden verhindert, der möglicherweise nicht mehr verheilt.

Etwas, worauf du auch achten solltest (eher selten, aber gut zu wissen), sind Muttermale, eine Hautveränderung, die durch Peitschen zu einer bösartigen Geschwulst verändert werden kann. Wenn du auf dem Rücken deines Bottoms ein Muttermal siehst, das uneben, farblich verändert oder sonst irgendwie unüblich aussieht, halte dich fern von dieser Stelle und sag deinem Bottom, dass er zum Hautarzt gehen soll.

Für nähere Informationen verweisen wir wieder auf die Literatur im Anhang oder die einschlägigen Newsgruppen.